Gebäudeschutz in luftiger Höhe
27.04.2010
Millionenfach schlagen jedes Jahr Blitze in Deutschland ein. Ein Blitzschutzsystem kann Gebäude und Menschenleben retten. Um über Jahrzehnte hinweg sicher zu funktionieren, muss es regelmäßig überprüft werden.
Es ist ein stürmischer Tag. Kalt fegt der Wind über das Dach des Aachener Rathauses. Ungeübte Menschen müssen sich an der Balustrade festhalten, um nicht vom Dach geweht zu werden. Detlef Barthel stört das Unwetter nicht. Der Elektromeister hat schon bei extremeren Witterungen auf Häuserdächern gestanden, um das Blitzschutzsystem des Gebäudes zu überprüfen. "Nur bei Frost, wenn das Erdreich gefroren ist, können wir nicht messen", sagt er. Sicher bewegt er sich über die schmalen Zinnen des Rathauses zur nächsten Blitzableitung. Er schraubt die Metallleitung an einem Verbindungsstück auf und klemmt sein Messgerät an. Nach kurzer Zeit nickt er zufrieden.
Seit zwanzig Jahren betreut die Firma Blitzschutzbau Rhein-Main Adam Herbert GmbH in Aachen das Blitzschutzsystem des Aachener Rathauses. An diesem Tag steht eine umfassende Prüfung auf der Tagesordnung. Dazu kontrolliert Elektromeister Detlef Barthel, ob sich die Leitungen gelockert haben und überprüft mit dem Messgerät, ob sie funktionsfähig sind und über einen ausreichenden elektrischen Durchgangswiderstand verfügen. Die Leitungen sind Teil des so genannten Äußeren Blitzschutzes des Gebäudes. Der Äußere Blitzschutz funktioniert denkbar einfach: Ein von der Auffangeinrichtung aufgenommener Blitzstrom wird über mehrere Ableitungen in eine Erdungsanlage gelenkt, die den Strom möglichst großflächig in den Boden abgibt. "Bei historischen Gebäuden wie dem Rathaus werden die Metallableitungen aus Gründen des Denkmalschutzes und der Ästhetik zum Teil unter der Dacheindeckung verlegt. Die Anlage soll zwar schützen, aber möglichst unauffällig bleiben", erklärt Detlef Barthel. Das Aachener Rathaus verfügt über zehn Blitzableitungen, die rund um das Gebäude verteilt angebracht sind, und sie alle muss Barthel an diesem stürmischen Tag überprüfen.
Blitze sind keine Randerscheinung: Millionenfach pro Jahr gehen Blitze allein in Deutschland auf den Erdboden nieder. Die beim Blitzeinschlag herrschenden Spannungen von bis zu 100 Millionen Volt und die im Blitzkanal fließenden Ströme von über 100.000 Ampere sind eine Gefahr für Gebäude, elektrische Leitungen und Geräte sowie die Bewohner. Nur ein fachgerecht installiertes Blitzschutzsystem bietet einen sicheren Schutz vor den Auswirkungen eines Blitzeinschlages. "Was viele nicht wissen: Mit der Installation eines Blitzschutzsystems ist es nicht getan", sagt Heinz-Josef Krämer, Geschäftsführer der Blitzschutzbau Rhein-Main Adam Herbert GmbH. "Blitzschutzsysteme halten nicht ewig und müssen daher regelmäßig durch sachkundige Experten geprüft und in Stand gesetzt werden."
Das Aachener Rathaus wird alle zwei Jahre überprüft. Dabei wechseln sich alle zwei Jahre eine vollständige Prüfung und eine Sichtprüfung ab. Zuständig für die Koordination der Arbeiten im und am Aachener Rathaus ist Hausmeister Heinz Spees. Am Tag dieser Blitzschutzprüfung sind drei weitere Handwerksbetriebe im gesamten Rathaus tätig. "Bei so großen und alten Gebäuden wie dem Rathaus wird ständig etwas repariert. Da muss man immer den Überblick bewahren", sagt Heinz Spees. Heinz-Josef Krämer nickt und fügt hinzu: "Viele Gebäudeverwaltungen sparen heute an einem Hausmeister und an wichtigen Wartungsarbeiten. Das ist kurzsichtig gedacht und kann sich schnell rächen. Wenn das Blitzschutzsystem nach 10 bis 15 Jahren mal geprüft wird, stellen sich oft grobe Mängel dar. Dies sind Folgen unzureichender Wartung, über die man sich nicht wundern darf."
Nach gut vier Stunden ist die Prüfung abgeschlossen. Zufrieden nimmt Heinz Spees das Prüfergebnis entgegen, ein ausführlicher Prüfbericht wird ihm zugesandt. Detlef Barthel hat nichts zu beanstanden, hat er hier eigentlich nie. Im Mai steht die Prüfung eines weiteren großen Bauwerks im Stadtzentrum an: die vollständige Prüfung am und im Aachener Dom. Noch während Detlef Barthel sich die kalten Finger warmreibt, grinst er breit: "Darauf freue ich mich jetzt schon."
- Stefanie Erkeling -
Photos: Thilo Vogel, Lichtographie Aachen
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